Rucksackbomber zur Botschaft gelotst

Rucksackbomber drohen 5 Jahre Haft. Die Anklage gegen Asim C. ist fertig. Auch das FBI verhört den Bosnier.

Monate nach der Verhaftung des "Rucksack-Bombers" bei der US-Botschaft in Wien sind noch Fragen offen. Am 21. Februar kommt er vor Gericht.

Wien. Wer ist Asim C.? Und was hatte er im Sinn, als er am 1. Oktober 2007 um 11:30 Uhr vor der US-Botschaft in Wien auftauchte, mit einem Rucksack voller Handgranaten, Nägeln und einem Buch über den Islam?

Diese Fragen beschäftigten Ermittler des Verfassungsschutzes nun schon seit gut drei Monaten. Zunächst schien es sich um einen klaren Fall zu handeln: "Anschlag auf die US-Botschaft vereitelt", meldeten Nachrichtenargenturen prompt.

Auch die Anklage gegen den 42-Jährigen, die gestern fertiggestellt wurde, spricht einen klare Sprache: Asim C., Frühpensionist und Bosnienkriegs-Veteran, wird - neben geringeren Delikten wie Passvergehen - die "Vorbereitung einer Straftat durch Sprengmittel" anglastet. Strafdrohung: bis zu fünf Jahren Haft. Verteidiger oland Friis: "Beim Prozess am 21. Februar wird sich zeigen, dass mein Mandant kein Bomber ist." Richterin Eva Brachtel wird darüber entscheiden.

Treffen. Der Beschuldigte selbst - für den die Unschuldsvemutung gilt - gab Folgendes zu Protokoll: " Ich wollte keinen Anschlag verüben, ich hatte einen Termin in der Botschaft." Der Hintergrund für diese Aussage des - von der Staatsanwaltschaft als "verwirrt" bezeichneten - U-Häftlings ist mysteriös: Denn tatsächlich stand Asim C. vor seinem Gang durch die Boltzmanngase in Kontakt mit der Botschaft. Das belegen Telefon-Protokolle.

Hingelotst. Mehr noch: Asim C. hatte einen Treffpunkt mit einem Botschaftsangestellten ausgemacht, weil er "Informationen" hätte, "die für Amerika von großem Interesse" seien. Und die Diplomaten waren offenbar interessiert: Sie lotsten C., der sich in Wien nicht sehr gut auskennt, am Handy zur Botschaft. Das Szenario aus der Sicht des Angeklagten: Er wollte den Sprengstoff den Behörden übergeben.

Agenten-Verhör. Aber warum ausgerechnet den amerikanischen Behörden? Dieser Frage wollten fünf FBI-Agenten am 8. Oktober wohl auf den Grund gehen: Sie verhörten C. im Beisein heimischer Ermittler. Was rechtlich gedeckt, doch unüblich ist. Doch auch die Agents konnten den Bosnier nicht zum Reden bringen. Vielleicht spricht er im Prozess.

Florian Lems
(Quelle: Österreich, 12. Jänner 2008)

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