18 (!) einschlägige Vorstrafen- dennoch: Wiener “Einbrecherkönig” erstmals freigesprochen !

Wiener “Einbrecherkönig” erstmals freigesprochen

Die Hälfte seiner 70 Lebensjahre verbrachte der Wiener
“Einbrecherkönig” Ernst Walter Stummer hinter Gitter, 18
Vorstrafen hat er auf dem Kerbholz. Heute wurde er
erstmals freigesprochen.

Der Wiener “Einbrecherkönig” Ernst Walter Stummer wurde im Wiener Straflandesgericht
erstmals freigesprochen. Ein Schöffensenat (Vorsitz: Karin Burtscher) fand die Beweislage
nicht ausreichend, um ihn wegen eines Einbruchs in ein Sportgeschäft zu verurteilen, bei
dem eine Jacke, fünf Polo-Shirts und zehn Wind-Shirts erbeutet worden waren.
18 Vorstrafen weist Stummers Strafregister auf. “Beim letzten Mal war ich aber zu 70 bis 80
Prozent unschuldig”, ließ er das Gericht wissen. Mittlerweile habe er seine
Einbrecherkarriere abgeschlossen, betonte er. Ruhegenussanspruch hat der 69-Jährige
keinen erworben, da ihm seine Haftzeiten nicht auf eine Pension angerechnet werden. Daher
ist Stummer offiziell arbeitslos, bekommt eine Wohnbeihilfe, “und nebenbei gebe ich ein
Single-Magazin für Vorbestrafte und ein Sicherheitsmagazin heraus, aber so was, was die
Polizei net macht, sondern ans aus der Sicht des Täters”, erzählte er bereitwillig dem Gericht
und der versammelten Journalistengemeinde.

Leider habe er kein Geld für die Drucklegung, so dass er zu mühsamem Kopieren
gezwungen sei, bedauerte Stummer. Dabei möchte der Profi-Einbrecher außer Dienst nach
eigenem Bekunden “dazu beitragen, dass weniger Verbrechen begangen werden.”

Zange Stummers am Tatort
Folglich habe er auch mit dem inkriminierten Einbruch in der Nacht zum 9. Dezember 2006
schräg vis a vis von seinem Büro nichts zu tun, schwor Stummer. Ein Täter hatte sich mit
einem Brecheisen über den Hintereingang Zutritt ins Geschäft verschafft, der Wert der Beute
machte 837,50 Euro aus. Am Tatort blieb eine Zange zurück, an der sich DNA-Spuren
Stummers fanden.
“Es war höchstwahrscheinlich meine Zange”, erkannte dieser nun im Grauen Haus. In
seinem Büro verwahre er allerdings “a ganze Menge Zangen, a ganze Menge Werkzeug”.
Dieses verborge er mitunter “an nicht ganz zuverlässige Personen”. Außerdem empfange er
regelmäßig Besuch, beispielsweise von Rumänen und Moldawiern, die vorgeben würden, an
seinen Magazinen mitarbeiten zu wollen.

“In Wahrheit wollen’s vor allem Frauen haben”, berichtete Stummer. Seine Vermittlerdienste
dürften ihm teilweise recht lästig sein: “Die fragen mi dann Sachen, die i net waß! Welche
Schuhgröße ham die Madln? Tun die Nasenbohren?” Er lasse seine Besucher dann einfach
in seiner Zeitschrift blättern, “weil die sonst meine ohnehin schon schlechte Konzentration
stören”. Manchmal brächten seine Gäste Schnaps mit, da schlafe er dann schnell ein Mal
ein. “In der Zeit können die alles Mögliche mitg’nommen haben”, spielte Stummer auf die
vorgeblich verschwundene Zange an.

Verteidiger: Einbruch “stümperhaft”

Verteidiger Roland Friis hatte weitere Argumente im Köcher. Sein Mandant sei lange genug
im “Geschäft”, um niemals in ein mit einer Alarmanlage gesichertes Geschäft einzudringen.
Das offenbar am Tatort vergessene Werkzeug – eine Spitzzange – benütze “kein halbwegs
vernünftiger Einbrecher”, so Friis. Außerdem hätte Stummer mit Sicherheit Handschuhe
verwendet, um keine DNA-Spuren zu hinterlassen. Stummer eine “derartig stümperhafte
Vorgangsweise” zu unterstellen, sei fast schon eine Beleidigung, gab der Verteidiger
sinngemäß zu bedenken.

Der Schöffensenat ließ sich davon überzeugen. Der Freispruch ist bereits rechtskräftig.
Stummer gab sich nach der Verhandlung hocherfreut und will sich nun verstärkt seinem
Single-Magazin widmen.
http://www.diepresse.com/home/panorama/oesterreich/341319/index.do
(DiePresse.com, 06.11.2007)

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