Balkan-Disko, Frauen, Koks und viele gute Vorsätze

Ein Kokain-Prozess am Landesgericht Wien

(Wien, im August 2008) Es gibt Gerichtsfälle nach Suchtgiftgesetz, da wähnt man sich in der Balkan-Disko Freitag Nachts. Ein Haufen eleganter Jungserben in schnittigem Outfit als Angeklagte und Zeugen, ein Haufen gertenschlanke Belgrad-Schnitten als Zeuginnen, von denen eine sogar vor dem Richter angibt, dass sie 4.000 Euro netto im Monat verdient. (Womit sagt sie nicht, es drang aber durch*...) Vier Starverteidiger (der alte Philipp, der neue Philipp – also Vater und Sohn, Reichenbach und Friis), die den Fall im Cafehaus unaufgeregt bei einer Melange absprechen – und routiniert heimspielen. Dazu der Verfahrensgegenstand Kokain, das beim Eiskönig “Zanoni” in der Mariahilferstraße gedealt wurde. Ein Polizeiermittler, der im Gerichtssaal mit allen vier Angeklagten per Du ist.
Am Ende drei Mal “Therapie statt Strafe” und ein Freispruch.

Vero und die Glatze
9 Uhr 15 im Gerichtssaal 104 des Landesgerichts Wien. Veroslav R., Spitzname “Vero”, und Davor M., Spitzname “Glatzkopf”, alternativ “Bodybuilder” werden aus der U-Haft vorgeführt. Modedesigner Sasa R., der auch für den ORF arbeitete, und der wortkarge Branko V. kommen auf freiem Fuß. Sie wurden Ende Mai 2008 nach zwei Wochen U-Haft entlassen. Draußen vor der Tür wartet eine große Gruppe Anhang, modisch gekleidet, als wär es Freitag Nacht und das Landesgericht ein Tanztempel am Hernalser Gürtel.

Modedroge Kokain
Drei der Angeklagten sind in Serbien geboren, der vierte in Melk, ist aber serbischer Herkunft. Alle Angeklagten sind zwischen 33 und 38 Jahre alt und stehen mitten im Leben. Es sind keine grindigen Junkies, sondern vitale, gutaussehende Burschen. Der Hauptangeklagte “Vero” ist massiv einschlägig vorbestraft. 2001 fasste er für eine große Menge Kokain-Dealen 2.5 Jahre aus. Er ging auf “Therapie statt Strafe”, begann erfolgreich ein Studium, geriet vor seiner Diplomarbeit in Stress und wurde 2007 wieder rückfällig.

Ein Novum hat diese Verhandlung. Sie hat einen “Haftungsbeteiligten”. Ein “Haftungsbeteiligter” ist im Strafprozess kein “Zeuge”, sondern einer, der ein Darlehen gab, um das er sich geprellt fühlt. Der “Haftungsbeteiligte” in diesem Fall ist der Schwiegervater eines Angeklagten und heißt Slavoljut C.. Er ist Serbe und lieh einem der vier 9.000 Euro Cash. Die hübsche Gerichtsdolemtscherin heißt übrigens Mag. Jahns-Milodanovic.

Kultur der Lüge
Der etwa 45-jährige Richter Nachtlberger ist ein gütiger und besonnener Mann. Er ist nicht blöd. Er weiß, dass er bei Gericht oft angelogen wird. Im Zuge dieser Verhandlung wird er Daumen mal Pi etwa 40 Mal angelogen. Dabei wird den vier Serben gar nicht so viel vorgeworfen. Der bissige Staatsanwalt Leopold Bien legt es in seiner 16 Seiten langen Anklageschrift klar. Die Vier sind nur Teil eines Ganzen, an dem die Staatsanwaltschaft dran ist. Einer der vier Verteidiger, Roland Friis, hat derzeit den Kronzeugen dieses “großen Ganzen” als Mandanten (ihm werden gewerbsmäßiger Vertrieb von 120 Kilo (!) Koks vorgeworfen, Prozess in Bälde, es geht um viele Jahre Haft; ein anderer Häuptling wurde bereits zu 9 Jahren Haft verurteilt.)
Das “große Ganze” ist im Großen und Ganzen ein Serben-Modedrogen-Ring in Wien, gegen den ermittelt wird.

Ausschnitt
“Wir verhandeln einen Ausschnitt einer großen Amtshandlung”, sagt der etwa 35-jährige, hochmotivierte Staatsanwalt Leopold Bien in sei ner Eröffnung. Hier säßen nur “Unterhändler und Zwischenhändler”. Er nimmt die Sache dennoch ziemlich persönlich, denn die Angeklagten haben ihm sehr viel Arbeit gemacht. Minutiös listet er in seiner 16-Seiten- Anklageschrift ein Dutzend Namen auf, Mann und Nase, wer wem Kokain entweder im Freundeskreis gegen Einkaufspreis “überlassen” oder im Kundenkreis gegen Aufpreis “verkauft” hat. Die Polizei-Falle schnappte re lativ früh zu. Die Dealerei und Nehmerei begann laut “reumütigen Geständnissen” im Juni 2007, intensivierte sich um Neujahr und endete mit Telefonüberwachungen im April 2008. Ein Zugriff im Eissalon “Zanoni” in der Mariahilferstraße beendete diese Episode am 6. Mai 2008.

Mann und Nase
Die Angeklagten sind gut von ihren Verteidiger-Profis gecoacht. In der Coachingzone “Halbgesperre” der Justizanstalt Josefstadt wurde jede Antwort durchbesprochen. Und die meisten halten sich im Geviert des Gerichtssaals daran. Bei einer Gruppe von vier Angeklagten geht es der Verteidigung hauptsächlich um “Aussagedisziplin”. Immer wieder mahnt Alt-Profi Peter “der alte” Philipp seinen Mandanten Davor M.(”Glatzkopf”, “Bodybuilder”) an, indem er ihm öfter auf die Schulter klopft: “Du bestätigst die Menge und den Zeitraum.” Mehr brauche er nicht zu sagen. Denn er ist “voll geständig.” (103 Gramm Koks hat man bei einem misslungenen Deal nahe Westbahnhof ja gefunden.)

Gut gecoachte Angeklagte
Nur der Erstangeklagte Veroslav R. , obwohl gut gecoacht von Roland Friis, schweift etwas vom Thema ab. Er will sich plötzlich nicht mehr daran erinnern, dass er schon im Juni 2007 kokste, sondern verlegt eigenwillig den “Zeitraum” in den Jänner 2008. Das macht die Verteidigerriege kurz nervös, die im Cafehaus eine einheitliche Verantwortung als Entgegenkommen an den Staatsanwalt beschloss. Alle drei Überführten koksten und dealten ab Juni 2007 mit rund 35-prozentigem Kokain. Ja, das geben alle zu – dafür wollen alle eine Therapie.

Ein Freispruch
Einer der vier bekennt sich nicht schuldig. Der zwei Mal (nicht nach Drogen) vorbestrafte Bauspengler Branko V. (Verteidigung: Alexander “der neue” Philipp). Er lehnt Drogen strikt ab. Ihm wurden genau aus diesem Grund “Fahrer-Tätigkeiten” vorgehalten, die aber nicht erhärtet werden konnten. Alexander Philipp weist in einem brillianten Verteidiger-Schachzug Richter Nachtlberger nach, dass der OGH in seiner jüngsten Rechtssprechung darlegt, dass – fachjuristisch gesagt – eine “Betretungssituation” (Festnahme durch Polizei) noch keine “Tatbeteiligung” ist.

Auf deutsch: Branko V. saß zwar mit seinen Serben-Kumpels Veroslav “Vero” Rasic und Davor “Glatzkopf” Maksimovic im Eissalon “Zan one” am Tisch, als “Vero” von “Glatzkopf” 50 Gramm Kokain (Reinsubstanzgehalt über 50 %) erwerben wollte (”Glatzkopf” bot ihm sogar 103 Gramm an, “Vero” wollte aber nur 50 Gramm abnehmen). Die Polizei ging dazwischen und beschlagnahmte alles. Doch Branko V. saß nur am Tisch dabei. Er “duldete die Tathandlung” (die er jedoch vor Gericht abstritt; man habe “nur ein Eis gegessen”). Selbst bei einer “Duldung” einer kriminellen Handlung ist eine Betretung noch keine Tathandlung, sagt der OGH in der Ausführung der Rechtsfrage. Richter Nachtlberger ist beeindruckt. Daher Freispruch für den einzigen Schuldlosen.

Drei “umfassend reumütige” Nasengeständnisse
Die drei anderen Mode-Kokser haben das reumütige Geständnis wohl vorbereitet. Das große Geschäft wollen sie mit ihrer monatelangen Dealerei nicht gemacht haben. Hauptangeklagter und Student “Vero” Rasic, 33, kaufte Koks beim Dealer seines Vertrauens um 45 Euro pro Gramm und verkaufte an Kokser seines Vertrauens um 70-75 Euro pro Gramm weiter. Das besserte sein monatliches Nettogehalt in einem Bauunternehmen von 1.500 Euro etwas auf. Aber auch nicht wirklich. In Wahrheit war es ein Nullsummenspiel, weil er den Gewinn von – laut Eigenaussage – “3.000 Euro” im Tatzeitraum durch die eigene Nase blies. Bei – laut Eigenaussage – 3 Gramm Koks-Verbauch pro Woche gab er eben diese 3.000 Euro dafür aus.

“Glatze” gilt als “Kopf”
“Glatzkopf” (alias: “Bodybuilder”) Davor M., geboren 1971 in Belgrad, gilt als Teil dieses Unterhändler-Rings. Der gedrungene, auftrainierte Muskelmann soll energisch nach Käufern gesucht haben. Auf den Telefonüberwachungen (2008) tritt er sehr aktiv in Erscheinung. Doch verdient will er damit nichts haben, sagt der von Verteidiger-Altfuchs Peter Philipp Vertretene. Richter Nachtlberger: “Was waren bei Ihnen die Gewinnspannen?” “Glatzkopf” (auf serbokroatisch zur Dolmetscherin): “Ich habe um 40 Euro das Gramm angekauft und um 45 Euro das Gramm verkauft.” Richter Nachtlberger, kopfschüttelnd: “Glaubt man gar net, was das mit Drogen für ein schlechtes Verdienst ist. Da kann man ja auch Regalbetreuer im Supermarkt werden.” Die Aussage der “Glatze” war gecoacht. Unter der Hand war in der Gerichtspause zu erfahren, dass “Glatze” in Wahrheit der Kopf des Rings ist. Er stellt sich auch als “süchtig” dar. 3-5 Gramm pro Woche gingen durch seine Nase.

Dann geht es noch um 9.000 Euro Cash, die “Glatzkopf” in seiner Wohnung bunkerte. In Bar. Im Kleiderschrank. Richter: “Woher ist das Geld, denn es ist ja nicht üblich, dass man so viel Bargeld im Kleiderschrank hat?” Ein “Geschenk seiner Schwiegervaters”, erklärt “Glatzkopf” der Dolmetscherin.

Der “Haftungsbeteiligte”, Schwiegervater Slavoljut C., an den Unterarmen mehrfach tätowiert, bestätigt das zur Dolmetscherin. Er habe das Geld dem Angeklagten “geliehen” für einen “Rechtsanwalt” und “Wohnungsbedarf”. Der Richter wird nicht ganz schlau daraus. Der Staatsanwalt bleibt dabei, dass es sich um Drogengeld handelt und beantragt “Abschöpfung”.

Modeschöpfer und Modedroge
Reinen Tisch macht “Modeschöpfer” Sasa R., 38. Seine Augen glänzen während der ganzen Verhandlung, denn es geht um “sein Thema”. Zu Koks muss ihm niemand etwas erzählen. “Ich bin Kokain-Konsument seit 15 Jahren” erklärt er dem Richter ungefragt und in einer entwaffnenden Offenheit. Vorbestraft ist er dennoch nicht. Die zweiwöchige U-Haft waren ihm Haftübel genug, erklärt sein Sonnenschein-Verteidiger Andreas Reichenbach. Mittlerweile ist er bei “p.a.s.s.” und macht Entzug. Er hat mehrere Jobs, unter anderem sei er Programmentwickler bei einem serbischen TV-Sender. Zu kleiden weiß er sich vorzüglich. Er war (oder ist) auch Stylist beim ORF. Er war: Power-Kokser. 1-2 Gramm gingen täglich durch seine Nase, sagt er. Einkauf für 45 Euro pro Gramm, Weiterverkauf für 80 Euro pro Gramm, gibt er zu Protokoll. “Eigentlich machte ich immer Verlust. Mein Verdienst ging durch die Nase. Es war kein Ferarri, aber viel.” Der Richter versteht die Anspielung auf Reinhard Fendrich nicht.

Bei Ridel ist noch die Sache mit dem Geld. Man fand in der Küchenschublade 3.200 Euro. “Diese gehören aber meiner Freundin”, so der Angeklagte. Ja, die Frau Freundin. “Sie verdient mehr als ich, nämlich 4.000 Euro netto im Monat.” Der Richter frägt nicht genau nach, wie dieses Verdienst zu Stande kommt und auch nicht, warum jemand 3.200 Euro Bares in der Küchenlade hat. “Für eine Reise nach Spanien” habe es die Freundin zurückgelegt. Man wollte “auswandern.” Der Richter verliert den Durchblick. Der Staatsanwalt bleibt dabei, dass es sich um Drogengeld handelt und beantragt “Abschöfpung”.

Frau Freundin verdient 4.000 netto im Monat
Die Frau Freundin, 30, klein, schlank, blond, sagt dann als “Zeugin” tatsächlich dasselbe noch einmal aus. “Es ist mein Geld. Ich habe es zur Seite gelegt. Wir wollten nach Spanien auswandern.” Eine Arbeitsbestätigung hatte sie auch mit. Verteidiger Andreas Reichenbach erkennt aber hierin die Grenze und baut den Bluff nicht weiter aus. Wie der Herausgeber unter der Hand erfuhr, verdient Frau Freundin, die über eine laszive, erotische Ausstrahlung verfügt, ihre 4.000 Euro netto im Monat mit “Escort Service”. Eine “Arbeitsbestätigung” darüber vorzulegen, hätte es wohl etwas zu weit getrieben. Frau Freundin scheint übrigens auch in der Anklageschrift als “Abnehmerin” von Koks auf. Auf die meisten Zeugen wird vom Gericht verzichtet. Die Moden-Schau um die Mode-Droge findet nicht statt. Nur einen will der Richter noch hören, um die Märchenstunde zu beenden. Den Polizisten, der die Festnahme am 6. Mai 2008 im Eislokal durchführte.

Der vertrauliche Ermittler
Bezirksinspektor Rudolf Stelzer könnte als amerikanischer Tourist durchgehen. Optisch und charakterlich. In Amerika ist es üblich, sich zu duzen. Der Inspektor legt einen Auftritt hin, der alle (angenehm) überrascht. Er beweist, dass es das Vertrauensklima zwischen Kriminellen und Guten noch gibt. Auf die Frage des Richters, die Festnahme noch einmal näher zu erläutern, schildert Stelzer die vorgängige Telefonüberwachung. Man habe gewußt, dass eine “Übergabe” im “Zanoni” stattfindet und legte sich auf die Lauer. Dann kamen die Giftverkäufer.

Der Richter will wissen: “Wer ist gefahren?” Es geht um die Beitragstäterschaft des vierten Angeklagten. Bezirksinspektor Stelzer kommt ins Stocken, zum Richter: “Ich glaube Vero, oder...” Dann wendet sich der Zeuge direkt an die Angeklagten: “Vero, bist Du gefahrn? Oder bist Du gefahren, Davor?” Da müssen alle Anwälte grinsen. Das Publikum lacht. Sakrastischer Zwischenruf von Peter “der alte” Philipp zum Zeugen: “Seit wann san ma denn mit den Angeklagten per Du? Wo gibt’s denn des?” Zeuge: “Vero, bist Du gefahrn? Oder bist Du gefahren, Davor?” Der Richter glaubt sich verhört zu haben, vergewissert sich: “Gute Frage. Herr Inspektor, sind Sie immer mit Beschuldigten gleich per Du?” Inspektor: “Nein, ich dachte, das ist kein Problem. Aber ich kann auch das Du-Wort zurückziehen, wenn das ein Problem ist.” Zwischenruf Anwalt Reichenbach: “Na, na, wir haben ja nichts dagegen. Das zeigt ja nur, dass wir alle ein vertrauliches Klima miteinander haben.”

Letztlich klärt der Zeuge zur Sache, dass die Schutzbehauptungen der Angeklagten, dass sie bei Zanoni “Eis essen” waren, falsch sind. Weder hat die Bedienung lange gebraucht noch war das Eis aus. Inspektor Stelzer stellt klar: “Als wir gekommen sind, war der Tisch leer.” Auch die Schutzbehauptung der Angeklagten, sie wären eine Stunde beisammen “bei einem Eis” gesessen, wäre falsch. “Zehn Minuten nach deren Eintreffen gingen wir hinein und beendeten das.” Beschlagnahmt wurden: 103 Gramm Kokain. Hochprozentiges!

Milde Urteile
Bei den Schlussanträgen zeigt sich die Qualität von engagierten Verteidigern. Aus dem Köcher werden alle möglichen Arbeitsplatzgarantien, Studien- und Schulzeugnisse gezaubert. So laufen nun einmal Strafverfahren. In diesem künstlichen Umfeld, das von außer halb des Landesgerichts manchmal surreal bis unwirklich erscheint, zählt nur “was im Akt ist”. Alles dafür, dass es sich bei schwer Angeklagten um rechtstreue Bürger handelt. Verteidiger Friis, der für das Verfahren mitten in der Nacht aus dem Urlaubsort wegfuhr und nach Prozessende wieder an seinen Urlaubsort fährt, erwähnt in seinem perfekt emotional aufgebauten Plädoyer sogar den Schulanfang am 1. September 2008, den sein Hauptangeklagter “unbedingt miterleben” möchte. Alles andere wäre unmenschlich. In der Tat: Seine Tochter ist Taferlklasslerin. “Ein Neubeginn, den ihm das hohe Gericht nicht verwehren möge”, greift er tief in die Trickkiste. Sein Erstangeklagter Veroslav R. ist aus Vert eidigersicht ein harter Knochen. Schon einmal wurde er (2001) wegen Kokaindealens hoher Mengen verurteilt zu 2.5 Jahren Strafe verurteilt, die mit Therapie “ersetzt” wurde. Roland Friis gelingt das Meisterstück: Sein Mandant erhält wieder 2.5 Jahre Haft wegen Kokainbesitzes und Handelns. Wieder muss er nicht ins Gefängnis, sondern geht auf “Therapie”. Das “Gericht möge ihm diese zweite Chance geben”, fleht Friis im Schlussplädoyer. Das Gericht gibt die Chance und der Mandant von Friis kan nach Hause gehen. Der Richter schöpft 5.730 Euro “Drogengeld” ab. Die Reumütigen: 2,5 Jahre Haft, 2 Jahre Haft, 9 Monate Haft Kokaindealer Davor Maksimovic (Verteidiger: Peter “der alte” Philipp) erhält zwei Jahre Haft, geht aber auch auf “Therapie” gem § 39 SMG. Abschöpfung: 3.600 Euro. Langzeitkokser (”ich nehme seit 15 Jahren”) Sasa Ridel (Verteidiger: Andreas Reichenbach) erhält 9 Monate teilbedingt (6 Monate unbedingt). Er geht bereits freiwillig zu “p.a.s.s.” Pinkeln und in eine Psychotherapie. Abschöpfung: 470 Euro. Freigesprochen wird der schweigsame Branko Vasiljevic (Verteidiger: Alexander “der neue” Philipp), da Beisitzen bei einem Eis im Eissalon, selbst wenn das Eis nicht geliefert wird und stattdessen 103 Gramm Koks am Tisch liegen, noch keine Straftat ist. Da die drei Anwälte (Philipp Vater, Reichenbach, Friis) schon vorsorglich einen “Therapieplatz” bestellt haben, gehen alle drei in eine Therapie statt Strafe. Die schlanken Serben-Freundinnen im Publikum, davon zwei über Gebühr mit großflächigen Armtatoos verziert, sind zuerst entsetzt, als sie hören “Haft”! Dann sind sie erleichtert, als ihnen erklärt wird: Keine Haft, sondern “Therapie” für ihre Koks-Freunde!

Urteile rechtskräftig
Staatsanwalt Leopold Bien macht Rechtsmittelverzicht (RMV) bei allen, verlangt aber, dass die beschlagnahmten “9.000 Euro aus dem Kleiderschrank” als “Drogengeld” eingestuft werden. Er fordert lang und breit einen Sonderbeschluss. Nach einigen Debatten mit Richter und Anwälten zieht er diese Forderung wieder zurück.

Alle Urteile sind rechtskräftig.
Das Verfahren zeigt eines: “Tango Korrupti, wenn einer draufkommt und entpuppt di, nimmst du dir einfach einen Anwalt, der was kann halt – und bist schwuppti-wupp davon.” (Rainhard Fendrich)

Marcus J. Oswald (Ressort: Justizfälle)

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