Werkspionage bei AWD?

OBERWART / Drei Versicherungs-Makler vor Gericht. Sie sollen interne E-Mails ihres Ex-Auftraggebers ausspioniert haben.

Drei frühere Agenten des Finanzberaters AWD wurden nun von diesem vor Gericht zitiert. Die drei Herren im Alter von 49, 32 und 30 Jahren arbeiteten früher im Oberwarter AWD-Büro und sind immer noch als Vermögensberater und Versicherungsmakler tätig, allerdings seit 2006 nicht mehr für AWD.

„Von April 2006 bis April 2007 wurden tausende E-Mails abgerufen und Geschäftsgeheimnisse verwertet“, warf AWD-Anwalt Mag. Philipp Miller im Rahmen einer Privatanklage den drei Angeklagten vor.

„Es handelt sich eindeutig um einen Rachefeldzug“, konterte Dr. Andreas Stranzinger, Rechtsvertreter der drei Ex-AWD-Makler. Bei arbeitsrechtlichen Prozessen gegen AWD fordern die drei Betroffenen nach eigenen Angaben insgesamt eine halbe Million Euro.

Mit Werkspionage bei AWD wollen die drei Angeklagten nichts zu tun gehabt haben. „Meine Mandanten weisen die Vorwürfe schärfstens zurück“, unterstrich Dr. Stranzinger. Sein Kollege Mag. Roland Friis vertritt jene Vermögensberatungs-Gesellschaft, bei der die drei Makler nach dem Bruch mit AWD tätig wurden: „Die Beschuldigten haben sich aufgerafft, ihren ehemaligen Dienstgeber zu verklagen. Jetzt haben sie selbst ein Strafverfahren am Hals.“

Mag. Alfred Ellinger, Vizepräsident des Landesgerichtes Eisenstadt, versuchte beide Seiten zu Beginn des Prozesses zu einem Vergleich zu bewegen. „Das wäre sinnvoll, weil es für beide Parteien teuer werden kann“, empfahl Ellinger den Beteiligten. „Wir wollen Schadenersatz und eine schriftliche Entschuldigung“, stellte der AWD-Anwalt klar.

Die drei Beschuldigten sollen, so der Vorwurf der AWD, von ihrem neuen Büro aus AWD-E- Mails abgerufen und die darin enthaltenen Informationen über Kunden, Provisionen und Finanzprodukte zum eigenen Vorteil verwendet haben. Der 49-jährige Erstangeklagte gab zu, E-Mails mit Datenlisten von AWD bekommen zu haben. „Diese Daten bekomme ich noch heute mit meinen Abrechnungen von AWD“, so der Makler. Im neuen Gemeinschafts-Büro seien immer wieder AWD-Mitarbeiter anwesend gewesen, die dort auch ins Internet eingestiegen und ihre AWD-E-Mails abgerufen haben sollen.

Sein 30-jähriger Kollege gab zu, von einem AWD-Mitarbeiter mehrere E-Mails mit internen Informationen erhalten zu haben. Er wollte den Namen der Kontaktperson aber nicht nennen, da er befürchtete, der Ex-Kollege werde Schwierigkeiten bekommen. „Ich hätte keinen Sinn dahinter gesehen, AWD-Mails abzurufen. Da waren keine Informationen dabei, die verwertet hätten werden können“, bekannte sich der 32-jährige dritte Angeklagte nicht schuldig.

Der Prozess wurde vertagt.  Jänner 2010.

(Quelle:http://www.bvz.at/redaktion/bvz-owa/article.asp?Text=321940&cat=836 )

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