Wenn man 2 scharfe Handgranaten und ein halbes Kilo Plastiksprengstoff in eine Botschaft trägt, bedeutet das keineswegs zwingend, dass ein Anschlag geplant war: 15 Monate Haft – Für Gericht war kein Verbrechen geplant

15 Monate Haft – Für Gericht war kein Verbrechen geplant

Der 42-Jährige, der am 1. Oktober 2007 mit einem Rucksack voll Sprengmaterial in der US-Botschaft in Wien-Alsergrund aufgetaucht war, hatte entgegen der Darstellung von Polizei und Staatsanwaltschaft keine konkreten Anschlagspläne. Zu diesem Schluss kam Richterin Eva Brachtel am Dienstag im Straflandesgericht, wo der Mann vom zentralen Vorwurf freigesprochen wurde, ein Verbrechen mittels Sprengstoff vorbereitet zu haben. Er wurde dennoch zu 15 Monaten Haft verurteilt.

Der gebürtige Bosnier wurde lediglich der Einfuhr und des Besitzes von Kriegsmaterial, der Urkundenfälschung – er hatte einen Reisepass hergestellt – und Verleumdung für schuldig bekannt.

Unmittelbar nach seiner Festnahme hatte der 41-Jährige unrichtigerweise einen Bekannten als angeblichen Auftraggeber belastet, der ihm den Rucksack sowie ein Buch über den Islam mit der Bemerkung überlassen habe, er werde “schon wissen, was zu tun ist”. Der 34-jährige Familienvater wanderte daraufhin für zwölf Tage in U-Haft und verlor seinen Job, ehe sich seine völlige Schuldlosigkeit herausstellte.

Vergleichsweise strenge Strafe
Für diese Vergehen setzte es nun für den geringfügig vorbestraften Bosnier mit 15 Monaten unbedingter Haft eine vergleichsweise strenge Strafe. Der 42-Jährige, der seit über einem halben Jahr in U-Haft sitzt, war dennoch damit einverstanden. Staatsanwalt Michael Klackl gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Richterin glaubte dem Angeklagtem
Für Richterin Eva Brachtel ließ sich nicht mit der für ein Strafverfahren erforderlichen Sicherheit feststellen, dass der 42-Jährige den Rucksack mit dem brisanten Inhalt in verbrecherischer Absicht zur US-Botschaft gebracht hätte. “Es ist ein Faktum, dass im Beweisverfahren vielmehr sehr stark bestätigt wurde, was der Angeklagte im gesamten Verfahren gesagt hat”, hielt sie in der Urteilsbegründung fest.

Demnach habe der Mann “diese Dinge” – im Rucksack befanden sich zwei Handgranaten, Zünder, Zündkappen, vier Blöcke mit Plastiksprengstoff, Spreng- und Zündkapseln, ein Zündersystem sowie eine Zeitzündschnur – in der Botschaft übergeben wollen, um sich möglicherweise als Informant “anzudienen”, sagte die Richterin. Der 42-Jährige habe dies auch per E-Mail und telefonisch wiederholt Botschaftsmitarbeitern angekündigt und dabei seinen richtigen Namen, sein Geburtsdatum, die korrekte Adresse, seine Telefonnummer sowie jene seiner Frau angegeben.

“Das ist keine typische Vorgangsweise für jemanden, der in die amerikanische Botschaft eindringen will, um eine Bombe zu zünden”, erkannte die Richterin. Der per Bahn aus seinem Wohnort Tulln angereiste Mann habe am Bahnhof sogar telefonischen Kontakt mit einem Botschaftsmitarbeiter aufgenommen, sei von diesem zum Botschaftsgelände dirigiert und vom Sicherheitspersonal bereits erwartet worden.

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