Verteidigung beantragt Blutdruckmessung beim Mordverdächtigen: Erste Enthaftung im Fall Julia Kührer

Erste Enthaftung im Fall Julia Kührer

Jürgen K. hat mit Fall Kührer “absolut nichts zu tun”: Anwalt weist Vorwürfe zurück 21-Jähriger wieder freigelassen: Pulstest durchgeführt

Zwei weitere Verdächtige noch in U-Haft. Jürgen K., einer der drei festgenommenen Verdächtigen im Fall Kührer, befindet sich wieder auf freiem Fuß. Sein Anwalt, Roland Friis, weist die Vorwürfe gegen ihn vehement zurück: Sein Mandant habe mit dem Verschwinden der Vermissten “absolut nichts zu tun”, so der Verteidiger. Ein Pulstest soll den 21-Jährigen entlastet haben, wie NEWS erfuhr. Seine ältere Schwester Tamara K. (27) und deren Ex-Freund Martin H. (26) befinden sich in Untersuchungshaft. Sie werden der Beitragstäterschaft zur Freiheitsentziehung verdächtigt. “Er ist ganz sicher nicht schuldig”, zeigte sich Friis überzeugt. Der zum Zeitpunkt des Verschwindens des Mädchens noch Minderjährige habe Julia nicht gekannt und diese “höchstens einmal zufällig auf einem Zeltfest gesehen. Mehr an Kontakt hat es nicht gegeben”.

Für Friis ist es “nach der bisherigen Aktenlage nicht erklärbar”, wie der 21-Jährige ins Visier der beim Bundeskriminalamt gebildeten Sonderermittlungsgruppe “Zielfahndung Vermisste” geraten konnte.

Puls von Jürgen K. gemessen
Zusätzlich soll ein Pulstest den 21-Jährigen entlastet haben. Nachdem ein Beweisantrag gestellt worden war, wurde der Puls von Jürgen K. gemessen. Das Ergebnis: Der Puls war ruhig. Der Verdächtige zeigte keinerlei Stresssymptome, wie es bei einer Lüge der Fall gewesen wäre, wie man gegenüber NEWS verlauten ließ.

Justiz: Telefonüberwachung erhärtet Verdacht
Die Justiz sieht die Lage anders: Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Korneuburg “muss davon ausgegangen werden”, dass die in Verdacht geratenen drei Personen “am Verschwinden der Julia Kührer beteiligt waren”. Zentrale Bedeutung misst die Anklagebehörde einem Telefonat bei, das der Ex-Partner der 27-Jährigen am 1. Mai 2010 mit dieser führte und das auf Basis einer gerichtlich bewilligten Rufdatenüberwachung von der Sonderermittlergruppe “Zielfahndung Vermisste” abgehört wurde.

26-Jähriger “warnte” angeblich Ex-Freundin
Der 26-Jährige dürfte im Vorfeld in Erfahrung gebracht haben, dass Julias Ex-Freund vom Bundeskriminalamt neuerlich vernommen worden war. Nun “warnte” der 26-Jährige fernmündlich seine Ex-Freundin, der Bursch habe “alle verpfiffen” und die Polizei würde nun nach ihm, dem 26-Jährigen, suchen. Auch die Ergebnisse einer Rufdatenerfassung machten die Ermittler stutzig: Demnach war Julia Kührer mit ihrem Mobiltelefon eine dreiviertel Stunde, nachdem sie zum letzten Mal am Hauptplatz in Pulkau gesehen wurde, in unmittelbarer Nähe zum Wohnsitz der Großeltern des 26-Jährigen eingeloggt.

Für den Verteidiger der 27-jährigen Frau ist diese “aufgrund eines leisen Verdachts” festgenommen worden. Seine Mandantin habe mit dem Mädchen “keinen näheren Kontakt gehabt”, widersprach er der Ansicht der Staatsanwaltschaft. “Sie hat mit dem Verschwinden nichts zu tun”, versicherte der Verteidiger. Julia Kührer ist seit dem 27. Juni 2006 aus ihrer Heimatstadt im Weinviertel abgängig. Sie war bei ihrem Verschwinden 16 Jahre alt.
Seit März geht das Bundeskriminalamt dem Fall im Rahmen eines Cold Case Managements wieder intensiv nach. (apa/red)

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