Mehrfach vorbestrafter Freigänger soll Drogen verkauft haben: Verteidigung beantragt Wahlkonfrontation und bringt damit polizeiliche Beweisführung zum Einsturz!

Kein unbeschriebenes Blatt

Hans K. ist für die Justiz ein alter Bekannter: Unzählige Male geriet er mit dem Gesetz in Konflikt und musste auch für längere Zeit hinter Gitter. Meist ging es um Drogen, im Konkreten um den Verkauf derselben. Gegen Ende seiner letzten, langjährigen Strafhaft wegen Suchtgifthandel stattete er just jenem Lokal einen Besuch statt, das schon seit längerem als „Drogenhöhle“ im Visier der Polizei stand. Die Fahnder forschten zwei junge Männer aus, die behaupteten, K. hätte ihnen mehrfach Haschisch verkauft. Hans K., der mittlerweile aus der Strafhaft entlassen worden war, wanderte prompt wieder in Untersuchungshaft. Alle Beteuerungen K’s, dass er diesmal nichts mit der Sache am Hut hatte, verhallten ungehört.

Wahlkonfrontation wirft neue Fragen auf

Über Antrag der Verteidigung (Mag. Friis) wurde eine zweite Gegenüberstellung in der Justizanstalt Josefstadt durchgeführt. Dabei soll sich merkwürdiges zugetragen haben: Ein Zeuge identifizierte eine der sog. Vergleichspersonen, worauf ein Polizist gemeint haben soll, ob es nicht doch der verdächtige K. gewesen sein könnte. Der Zeuge schwenkte dann plötzlich um und zeigte auf K. als den Täter. Dieses Gespräch zwischen dem Zeugen und dem Polizisten wurde nirgends protokolliert, also wurden Mitinsassen von K. einvernommen, die das Gespräch gehört hatten und vor Gericht auch den Inhalt bestätigten.

Belastungszeugen auf Tauchstation

Das Gericht wollte es nun genau wissen und lud die beiden ursprünglichen Belastungszeugen, die aber beharrlich nicht erscheinen wollten. Der Richter wies auf die merkwürdigen Umstände bei der Gegenüberstellung in der Justizanstalt hin und befand, dass die Suppe insgesamt doch zu dünn war: Freispruch, rechtskräftig.

Dem Angeklagten winkt nun eine Haftentschädigung im fünfstelligen Bereich.

http://www.gerichtsreporter.at

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