Mit einer kreativen, nur scheinbar widersprüchlichen Verteidigungstaktik gelang das Kunststück: „Betrügerin“ gesteht alles, Gericht spricht sie dennoch frei !!!

Eine 25-Jährige gab zu, ihre Bank betrogen zu haben; trotzdem ging die Frau frei.

(m.s.). Was tut man, wenn man als Unbescholtene vor Gericht steht und möglichst wenig Strafe bekommen will? Man legt ein umfassendes und reumütiges Geständnis ab – und hofft auf Milde. Dies tat am Mittwoch im Landesgericht Wiener Neustadt auch eine 25-jährige Sekretärin aus Wien. Sie gestand alles – und wurde freigesprochen.

Ihr Verteidiger Roland Friis hatte sich mit seiner „Geständnistaktik“ zwar einiges erhofft, dass es dann sogar ein Freispruch werden würde, überraschte ihn gehörig. Insbesondere angesichts der klaren (bzw. klar scheinenden) Ausgangslage. Die Beschuldigte hatte der Bank Austria eine gefälschte Gehaltsbestätigung vorgelegt – und dafür 40.000 Euro Kredit erhalten. Dabei bekam sie tatkräftige Unterstützung durch einen anrüchigen türkischen Kreditvermittler. Dieser redete der Frau ein, das Geld in ein Konzert türkischer Musiker zu investieren. Die Konzertkarten würden sich gut verkaufen, das Investment würde sich lohnen. Die Frau gab dem Vermittler und einem angeblichen Konzertmanager die 40.000 Euro. Und weg war das Geld.

Das Gericht entschied nun, dass der für Betrug erforderliche Vorsatz, „sich unrechtmäßig zu bereichern“, bei der Frau nicht vorlag. Der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig.

(“Die Presse”, Print-Ausgabe, 26.02.2009)

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